Die rote Ausschreibung: Ersuchen um Festnahme, kein Haftbefehl

Wir erklären, was hinter der bekanntesten Ausschreibung steht und welche Verteidigungswege es gibt.

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Rote Ausschreibung von INTERPOL

Eine „rote Ausschreibung“ ist kein offizieller deutscher Rechtsbegriff, hat aber in der Praxis zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen. In den meisten Fällen ist damit eine Interpol Red Notice gemeint – ein weltweites Ersuchen zur Festnahme einer Person zwecks späterer Auslieferung. Seltener und fachlich ungenau wird der Begriff als wörtliche Übersetzung für eine öffentliche Ausschreibung im deutschen oder europäischen Vergaberecht verwendet. Dieser Artikel klärt beide Bedeutungen und zeigt, wie man in jedem Fall richtig reagiert.

Interpol Red Notice (Rote Ausschreibung) – Ein Ersuchen eines Interpol-Mitgliedstaates an die Strafverfolgungsbehörden weltweit, eine Person ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Ziel ist die Auslieferung, Übergabe oder eine ähnliche rechtliche Maßnahme. Eine Red Notice ist kein internationaler Haftbefehl, sondern eine Mitteilung über einen bestehenden nationalen Haftbefehl.

Öffentliche Ausschreibung – Ein förmliches, transparentes Verfahren, bei dem öffentliche Auftraggeber (z.B. Bund, Länder, Gemeinden) Bau-, Liefer- oder Dienstleistungsaufträge vergeben. Das wesentliche Merkmal ist, dass eine unbegrenzte Anzahl von Unternehmen öffentlich zur Abgabe eines Angebots aufgefordert wird, um den Wettbewerb zu fördern und öffentliche Mittel wirtschaftlich einzusetzen.

Was genau ist eine Interpol Red Notice?

Eine Interpol Red Notice (oft umgangssprachlich als „rote Ausschreibung“ bezeichnet) ist ein Instrument der internationalen Polizeikooperation. Fordert ein Mitgliedsland eine solche Ausschreibung an, wird eine Warnmeldung an alle 196 Mitgliedstaaten gesendet.

Der Zweck ist, die Strafverfolgungsbehörden weltweit zu informieren, dass gegen eine Person ein gültiger nationaler Haftbefehl vorliegt. Die Behörden des Landes, in dem die Person angetroffen wird, werden gebeten, diese vorläufig festzunehmen, um ein Auslieferungsverfahren einzuleiten.

Wichtig ist jedoch: Eine Red Notice ist kein internationaler Haftbefehl. Die rechtliche Grundlage für eine Festnahme ergibt sich immer aus dem nationalen Recht des Staates, in dem sich die gesuchte Person aufhält. Jeder Staat entscheidet selbst, welche rechtliche Wirkung er einer Red Notice beimisst. In Deutschland und vielen anderen Ländern kann sie als Grundlage für eine vorläufige Festnahme zum Zwecke der Auslieferungshaft dienen.

Unter welchen Voraussetzungen wird eine Red Notice erlassen?

Interpol erlässt eine Red Notice nicht automatisch. Das Generalsekretariat prüft jeden Antrag auf Konformität mit den eigenen Statuten. Eine Ausschreibung ist nur zulässig, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind:

  1. Schwere Straftat: Der zugrundeliegende nationale Haftbefehl muss sich auf eine schwere Straftat des allgemeinen Strafrechts beziehen. Die Interpol-Regularien sehen hierfür Mindeststrafandrohungen vor.
  2. Keine verbotenen Motive: Gemäß Artikel 3 der Interpol-Verfassung ist es der Organisation strengstens untersagt, sich mit Angelegenheiten politischen, militärischen, religiösen oder rassistischen Charakters zu befassen. Ausschreibungen, die offensichtlich politisch motiviert sind – etwa zur Verfolgung von Oppositionellen –, sind daher unzulässig.
  3. Achtung der Menschenrechte: Eine Ausschreibung darf nicht gegen die Prinzipien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verstoßen. Dazu gehört insbesondere das Recht auf ein faires Verfahren, wie es auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert ist. Fehlen im ersuchenden Staat rechtsstaatliche Mindeststandards, kann dies ein Grund für die Ablehnung oder Löschung sein.

Wie erfahre ich von einer roten Ausschreibung und was kann ich tun?

Das Tückische an einer Red Notice ist, dass nicht alle öffentlich einsehbar sind. Viele werden nur intern an die Strafverfolgungsbehörden verteilt. Oft erfahren Betroffene erst bei einer Grenzkontrolle, einer Verkehrskontrolle oder bei der Eröffnung eines Bankkontos von der gegen sie laufenden Fahndung.

Sollten Sie den Verdacht haben, dass eine solche Ausschreibung gegen Sie vorliegt, können Sie proaktiv handeln:

  1. Auskunftsersuchen bei der CCF: Der erste Schritt ist eine Anfrage bei der „Commission for the Control of Interpol’s Files“ (CCF) in Lyon. Dieses unabhängige Gremium kontrolliert die Datenverarbeitung bei Interpol. Über ein Auskunftsersuchen können Sie offiziell klären, ob Daten über Sie gespeichert sind.
  2. Antrag auf Löschung: Bestätigt sich der Verdacht, ist der wichtigste Schritt ein fundierter Antrag auf Löschung der Daten bei der CCF. In diesem Antrag muss juristisch präzise dargelegt werden, warum die Red Notice gegen die Interpol-Regeln verstößt. Mögliche Gründe sind politische Verfolgung, Verfahrensmängel im Herkunftsland oder die Verletzung fundamentaler Menschenrechte.
  3. Präventive Maßnahmen: Selbst wenn noch keine Red Notice existiert, aber die Gefahr einer solchen besteht, kann ein präventiver Antrag bei der CCF gestellt werden. Ziel ist es, die Veröffentlichung von vornherein zu verhindern, indem man die Unzulässigkeit des erwarteten Ersuchens nachweist.

Der berühmte Fall um Alexandre Benalla, einen ehemaligen Sicherheitsberater des französischen Präsidenten, zeigt die politische Sprengkraft und Komplexität solcher Verfahren, die oft jahrelange juristische Auseinandersetzungen nach sich ziehen.

Was ist der Unterschied zur „öffentlichen Ausschreibung“ im Vergaberecht?

Während die Interpol-Ausschreibung die Strafverfolgung betrifft, bewegt sich die öffentliche Ausschreibung im Bereich des Wirtschaftsverwaltungsrechts. Hierbei handelt es sich um das Standardverfahren, mit dem die öffentliche Hand Aufträge vergibt.

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Die zentralen Merkmale sind im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) sowie in der Vergabeverordnung (VgV) und der Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) geregelt:

  • Zweck: Sparsamer und effizienter Einsatz von Steuergeldern durch fairen und transparenten Wettbewerb.
  • Verfahren: Eine unbegrenzte Anzahl von Unternehmen wird öffentlich aufgefordert, ein Angebot für eine definierte Leistung abzugeben. Dies geschieht in der Regel über offizielle Vergabeplattformen.
  • Rechtsgrundlage: Die nationalen Regeln basieren maßgeblich auf EU-Recht, insbesondere der Richtlinie 2014/24/EU. Diese gibt europaweite Standards für Transparenz, Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung vor.

Ein entscheidender Faktor ist der Auftragswert. Werden bestimmte Schwellenwerte überschritten, ist eine EU-weite öffentliche Ausschreibung zwingend vorgeschrieben. Für Bauaufträge liegt dieser Schwellenwert seit dem 1. Januar 2024 beispielsweise bei 5.538.000 €. Unterhalb dieser Werte gelten die nationalen Regeln der UVgO.

Vergleich: Rote Ausschreibung (Interpol) vs. Öffentliche Ausschreibung (Vergaberecht)

Merkmal Rote Ausschreibung (Interpol Red Notice) Öffentliche Ausschreibung (Vergaberecht)
Zweck Ortung und Festnahme einer Person zur Strafverfolgung/Auslieferung Vergabe eines öffentlichen Auftrags an ein Unternehmen
Rechtsgebiet Internationales Polizeirecht, Strafprozessrecht Vergaberecht, Wirtschaftsverwaltungsrecht
Beteiligte Staat, Interpol, gesuchte Person Öffentlicher Auftraggeber, Unternehmen (Bieter)
Grundlage Nationaler Haftbefehl, Interpol-Statuten Vergabegesetze (GWB, VgV, UVgO), EU-Richtlinien
Folge Mögliche Festnahme, Auslieferungshaft, Reisebeschränkungen Erteilung des Zuschlags, Abschluss eines Vertrags
Rechtsschutz Antrag bei der CCF, nationale Gerichte im Auslieferungsverfahren Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer, Gerichte

Dieser Artikel wird von einer unabhängigen juristischen Informationsplattform zu rein informativen Zwecken veröffentlicht und stellt keine Zugehörigkeit zu Regierungsorganen, internationalen Organisationen oder offiziellen Behörden dar oder beansprucht diese.

## Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist eine rote Ausschreibung ein Haftbefehl?

Nein, es ist kein internationaler Haftbefehl. Es handelt sich um eine Benachrichtigung an Polizeibehörden weltweit, dass ein nationaler Haftbefehl in einem Mitgliedsland existiert. Eine Festnahme erfolgt immer auf Grundlage des lokalen Rechts des Landes, in dem die Person angetroffen wird, und nicht allein aufgrund der Red Notice.

Kann eine rote Ausschreibung aufgehoben werden?

Ja. Wenn nachgewiesen werden kann, dass die Ausschreibung gegen die Regeln von Interpol verstößt (z. B. weil sie politisch motiviert ist oder grundlegende Menschenrechte verletzt), kann bei der Commission for the Control of Interpol's Files (CCF) erfolgreich ein Antrag auf Löschung gestellt werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer roten und einer blauen Ausschreibung?

Eine rote Ausschreibung (Red Notice) dient der Ortung und Festnahme einer Person zum Zweck der Auslieferung. Eine blaue Ausschreibung (Blue Notice) ist weniger eingriffsintensiv. Sie dient lediglich der Sammlung von zusätzlichen Informationen über die Identität, den Aufenthaltsort oder die kriminellen Aktivitäten einer Person im Rahmen laufender Ermittlungen.

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Häufige Fragen

Ist eine rote Ausschreibung ein Haftbefehl?
Nein, es ist kein internationaler Haftbefehl. Es handelt sich um eine Benachrichtigung an Polizeibehörden weltweit, dass ein nationaler Haftbefehl in einem Mitgliedsland existiert. Eine Festnahme erfolgt immer auf Grundlage des lokalen Rechts des Landes, in dem die Person angetroffen wird, und nicht allein aufgrund der Red Notice.
Kann eine rote Ausschreibung aufgehoben werden?
Ja. Wenn nachgewiesen werden kann, dass die Ausschreibung gegen die Regeln von Interpol verstößt (z. B. weil sie politisch motiviert ist oder grundlegende Menschenrechte verletzt), kann bei der Commission for the Control of Interpol's Files (CCF) erfolgreich ein Antrag auf Löschung gestellt werden.
Was ist der Unterschied zwischen einer roten und einer blauen Ausschreibung?
Eine rote Ausschreibung (Red Notice) dient der Ortung und Festnahme einer Person zum Zweck der Auslieferung. Eine blaue Ausschreibung (Blue Notice) ist weniger eingriffsintensiv. Sie dient lediglich der Sammlung von zusätzlichen Informationen über die Identität, den Aufenthaltsort oder die kriminellen Aktivitäten einer Person im Rahmen laufender Ermittlungen.

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